Roger Heidmann zur bremischen Hafenentwicklung

Es scheint fast so: Für die eine Partei fällt der Neustädter Hafen weg und wird zum Wohngebiet. Der anderen gefällt der frühe Entwurf des Offshoreterminals (OTB), obwohl die Zielgruppe weg ist. Das dritte Bündnis springt ab. Weg sind deren Impulse zum Hafenausbau. In Bremerhaven bleiben der Container-, Fischerei- und Automobilhafen sowie der Industriehafen in Bremen. Areale, eingekesselt von Wohn- und Landschaftsschutzgebieten. Querdurch deren Mitte führen die Verkehrswege. Anlieger wünschen sich mitunter auch die weg.

Fahrradstraßen werden favorisiert, der Schienenweg ohnehin. Letzterer ermöglicht zumindest, dass rund die Hälfte der Waren in den Häfen ankommt. Denkt man sich den zweiten Teil weg, der per LKW kommt und geht, dann wird der Hafentunnel in Bremerhaven zur Fahrradstraße. Flächen zum Wohnen werden frei und rund um das OTB bleibt die grüne Wiese.

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Mal ehrlich, zeigt die Frage, die einer resoluten Reinigungskraft zugeschrieben wird, nicht den ersten Schritt? Ist nicht Aufklärung und Bürgerbeteiligung gefragt? Genauso wenig wie die Zuschauer im Theater, erfährt man selten, was sich hinter den Kulissen der Logistik abspielt. Sie funktioniert, wenn keiner was merkt. Jeder freut sich, wenn man sein Paket in Händen hält, dass der Bote bringt. Vier Milliarden davon treten bald pro Jahr durch die deutschen Haustüren. Gelingt das allein mit dem Lastenfahrrad, der Bahn und ohne Hafen?

Das Land Bremen gehört zu den zehn größten Industrieregionen in Deutschland. Gelingt das ohne Hafen? Können die letzten Flächen im Neustädter Hafen und der Luneplate weg, die ohne Schleuse und deshalb mit Schiffsbreiten über 32,3 Meter erreichbar sind. Das Maß richtete sich seit je her an der Schleusenbreite des Panama-Kanals. Seit dem Ausbau ist das auf 49 Meter gewachsen und schafft Wachstum.

Ist es im überwiegenden öffentlichen, bremischen Interesse Wachstum zu schaffen? Sicher, nur allein mit Umschlagszahlen und alten Hafenbildern ist das nicht zu begründen. Die Kunst ist es, die obigen Industrieflächen mit Kunden zu verbinden, die Produkte jenseits des üblichen Maßstabs fertigen. Windkraftanlagen sind da nur Stellvertreter. 480 Ölplattformen werden zurückgebaut, 30.000 marode Brücken und der Meeresbergbau zeigen Beispiele. Sind da nicht frische und kreative Antworten gefragt?